Viadukt Beckerbrücke
Das unter Denkmalschutz stehende Eisenbahnviadukt, auch bekannt als Chemnitztalviadukt oder Beckerbrücke, wurde zwischen 1901 und 1909 im Verlauf der Bahnstrecke Dresden-Werdau errichtet. Es überspannt die Annaberger Straße, den Fluss Chemnitz sowie die Beckerstraße. Die Eisenkontruktion lieferte die Königin Marienhütte in Cainsdort bei Zwickau. Führten ursprünglich für 20 Jahre vier Gleise über das Tal, wurden später zwei Gleise stillgelegt, nach dem zweiten Weltkrieg als Reparationen demontiert.
In den 2000er Jahren war ursprünglich der Abriss und Neubau des Viadukts geplant. Nach großen Protesten der Chemnitzer Bevölkerung arbeiteten schließlich Bahn und Denkmalbehörden ab 2022 gemeinsam an der denkmalgerechten Erhaltung und Sanierung.
2025 erhielten die das beteiligte Ingenieurbüro und die DB InfraGO den Deutschen Brückenpreis in der Kategorie „Sonderpreis Denkmal.“
Die einen wollten es bewahren, die anderen waren dagegen. Abriss oder Erhalt des Eisenbahnviadukts an der Annaberger Straße? Diese Frage stellte sich in den Jahren 2015 bis 2018. Es ging um nicht weniger als ein Wahrzeichen der Stadt, ein Industriedenkmal und ein authentisches Zeugnis der Chemnitzer Verkehrsgeschichte.
Das Eisenbahnviadukt an der Annaberger Straße schwingt sich in elegantem Bogen über den Fluss Chemnitz. Im Ensemble mit dem südlich angrenzenden Gewerbepark Wirkbau, ehemals Maschinenfabrik Schubert und Salzer, bietet sich eine imposante Kulisse aus der Hochzeit der Chemnitzer Industriegeschichte. Mit seinen inzwischen über 100 Jahren hat das Eisenbahnviadukt zwei Weltkriege überstanden, den Jahreszeiten und der Umwelt getrotzt.
Das Viadukt ist in die Strecke Dresden-Werdau eingebunden und gehört zur sogenannten Sachsenmagistrale. Ursprünglich verkehrten die Züge hier viergleisig, mittlerweile nur noch auf zwei Schienenpaaren.
Bereits mit Einrichtung der ersten Eisenbahnlinie von Chemnitz nach Zwickau im Jahre 1858 wurde über das innenstadtnahe Chemnitz-Flusstal und die Annaberger Chaussee eine lange mehrbogige Steinbrücke errichtet. Diese zeigte zum einen Baumängel, war aber auch mit nur einem Gleis zu schmal. Mit der fortschreitenden Industrialisierung musste immer mehr von A nach B transportiert werden. Bauliche Lösungen waren Tunnel und Stahlbrücken.
Ein kühnes Projekt wurde nach 1900 geboren. Es sah eine viergleisige, 275 Meter lange Stahlbrückenkonstruktion vor, die in einer Höhe von über 20 Metern den Fluss Chemnitz und mehrere Fahrbahnen überspannen sollte. Genau genommen waren es vier parallel geführte Fachwerkbrücken als Kombination aus Bogenbrücken und Balkenbrückensegmenten. Die Bogenbrücke gehört zu den ältesten Formen der Bauhistorie. Geliefert und verbaut wurde der Stahl damals von der Königin Marienhütte in Cainsdorf. Das monumentale eiserne Bauwerk wurde in den Jahren 1904 bis 1908 knapp neben der alten Steinbogenbrücke errichtet.
Im Jahr 2015 plante die Bahn AG als Eigentümer den Abriss des Viadukts – es sollte durch eine Betonkonstrukktion ersetzt werden. Ein langwieriges Planfeststellungsverfahren wurde eingeleitet. Doch es bildete sich Widerstand: Neben den Denkmalbehörden und dem Chemnitzer Stadtrat sprachen sich auch die Mitglieder des Vereins Viadukt e.V. gegen den Abriss aus und setzten sich fortan mit großem Engagement für den Erhalt des Industrie- und Verkehrsdenkmals ein. Gutachten stießen auf Gegengutachten. Umfragen wurden gestartet und Unterschriften gesammelt. Auf Podiumsdiskussionen wurde hitzig debattiert. Abriss oder Erhalt?
Im Jahr 2018 kam die erlösende Nachricht: Das Viadukt wird bleiben! Der Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamtes folgte damit den Empfehlungen der Landesdirektion Sachsen und erteilte keine Genehmigung für den von der Bahn geplanten Abriss. Diese wurde mit dem Beschluss verpflichtet, das Viadukt zu erhalten und eine denkmalgerechte Sanierung durchzuführen.
Nach einigen Jahren der Bauzeit wurde das Viadukt schließlich im Jahr 2024 feierlich wiedereröffnet. Gleisanlagen und Oberleitungen wurden erneuert und die mehr als 10.000 Nieten des 2.500 Tonnen schweren Bauwerks ausgetauscht. Nun erstrahlt das Viadukt in neuem Glanz und ist gut gerüstet für die nächsten 100 Jahre.
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09120 Chemnitz
Beckerstraße