Janssen-Fabrik

Janssen-Fabrik

Am Ufer der Chemnitz und in der Nähe des Schlossteichs gelegen, erstrahlt die ehemalige Strumpfwirkerei William Janssen von 1894 inzwischen im neuen Glanz.

Die Hauptfassade des fünfgeschossigen Fabrikgebäudes wurde dekorativ mit Verblendklinkern akzentuiert. Im Dach- und Giebelbereich integrierte man moderne Elemente aus Glas und Stahlbeton. Heute befinden sich hier Geschäfte, Büroräume und exklusive Loft-Wohnungen, ebenso das Restaurant „Janssen“, auf dessen Terrasse es sich wunderbar entspannen lässt.

Das Restaurant Janssen in der Schloßstraße 12, direkt am Flüsschen Chemnitz gelegen, ist eine angesagte Adresse für gutes Essen und entspanntes Verweilen in stilvollem Ambiente. Man muss schon vorbestellen, vor allem abends und am Wochenende, will man nicht riskieren, unverrichteter Dinge wieder abzuziehen, da kein Tisch frei ist. Erlesene und liebevoll zubereitete Speisen erwarten jeden, der einen der 60 Plätze im Restaurant bekommen hat. Sommers bietet die große Terrasse zusätzlichen Platz unter freiem Himmel. Üppiges Grün umrahmt das Haus, leise plätschert im Hintergrund der Fluss. Der geschichtskundige Gast weiß, dass dieses Gebäude vor 100 Jahren einem gänzlich anderen Zweck diente.

Seinen Anfang nimmt das Unternehmen Janssen 1883 in Berlin. Bald ist es eine der angesehensten Firmen, die Trikotagen herstellen. Bereits ein Jahr später folgt der Umzug nach Chemnitz, wo zu jener Zeit bessere Bedingungen für die Textilindustrie herrschen. Der Unternehmer William Janssen stammt aus einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein. Dort ist er 1852 geboren. Nach seiner Lehrzeit macht er sich bald selbstständig. Auf mehreren Reisen rund um den Globus lernt er die verschiedensten Technologien zur Herstellung von neuartig flauschigen Stoffen kennen. Unter anderem besucht er Textilunternehmen in den USA, Kanada und Japan. William Janssen investiert in Maschinen, auf denen dieser begehrte Stoff gefertigt werden kann. In seiner Heimat Deutschland ist er der Erste mit dieser Technologie. Der Absatz kommt schnell in Schwung. Das Unternehmen schreibt schon nach kurzer Zeit schwarze Zahlen.

Der erste Sitz in Chemnitz an der Hartmannstraße wird bald zu klein. Erweiterungen werden notwendig. Ein Lagerhaus und eine Maschinenhalle kommen dazu, beide jedoch weit entfernt. Auch weil die Zahl der Beschäftigten mit den Aufträgen stetig steigt, will Janssen einen neuen, zusammenhängenden Standort errichten. 1894 beginnen die Planungen dazu. In der Schloßstraße 14 entsteht ein neues Fabrikgebäude. Kurz darauf kauft Janssen das Nachbargrundstück mit der Nummer 12. Auf dieser Fläche entsteht ein moderner Erweiterungsbau. Er wird 1906 eingeweiht. Eine Vormauerung aus Klinkern bildet die Fassade der Stahlbetonrahmenkonstruktion, die mit den Formen des Jugendstils verziert wird.

„Die Janssen-Fabrik bestand ursprünglich aus mehreren Gebäuden. Es war ein größerer Komplex, der sich entlang der Chemnitz zog. Es gab die beiden großen Gebäude mit der Hausnummer 14 und 12 und auch noch kleinere Nebenanlagen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude Nummer 14 vollständig zerstört und dann abgetragen, sodass nur noch die Nummer 12 übrig blieb, die jetzt als sehr schön sanierter Fabrikbau noch erhalten geblieben ist, umgenutzt wurde mit Eigentumswohnungen und Geschäften, Gaststätten und auch ein besonderes Beispiel von Fabrikarchitektur ist, die in der Gestaltung schon nahe dem Wohnhausbau ist, also sehr schön gestaltet. Das war der Anspruch der Bauherren und der Fabrikanten, die sich auch präsentieren wollten“.

Die Produktion von Bekleidungstextilien läuft auf Hochtouren. Über 500 Beschäftigte arbeiten am Standort rund um die Uhr an den lauten Maschinen. Es ist heiß und stickig. Die Luft flimmert im trüben Licht. An der Trikotagenfabrik William Janssen vorbei führt der Fluss Chemnitz sein schmutziges Wasser Richtung Norden. Abwässer der Industriebetriebe stromaufwärts trüben den Fluss.

Der Erweiterungsbau der Trikotagenfabrik oberhalb der Brücke ist mit modernster Technik ausgestattet. Zwei Dampfmaschinen mit je 150 PS Leistung liefern den Antrieb für die Wirktechnik. Das elektrische Licht wird durch zwei Dynamos erzeugt. Der Neubau hat verstärkte, gewölbte Decken, um die schweren Maschinen mit ihren Punktlasten auch in den Etagen aufnehmen zu können.

Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiten bereits über 700 Menschen in Janssens Fabrik. Hergestellt werden hauptsächlich Strümpfe, Kinderkonfektion, Damenmode und Sportaccessoires. Während des Ersten Weltkriegs kommt die Produktion von Trikothemden für die Armee dazu.

1922 stirbt William Janssen im Alter von 70 Jahren als einer der bedeutendsten Textilfabrikanten von Chemnitz. Ein Sohn übernimmt die Geschäfte. Im selben Jahr erfolgt die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft.

Unter der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre leiden auch die Werke an der Schloßstraße. Ein gerichtlicher Vergleich wird angestrengt, kurz darauf wird jedoch das Verfahren eingestellt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Fabrikgebäude Nummer 14 in Schutt und Asche gebombt. Nur der Erweiterungsbau bleibt verschont. Ab Ende der 1950er Jahre dient das Gebäude als Bürositz der Firma VEB Hydraulik Rochlitz. Nach der Wende steht das Gebäude leer. Fast sieben Jahre vergehen, bis ein privater Investor die Immobilie erwirbt und sie vor dem weiteren Verfall bewahrt.

Der Architekt Gert Wagner-Kühn plant das Gebäude komplett um. Gebaut wird in den Jahren 1998 und 1999. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Neben dem anfangs beschriebenen Restaurant Janssen entstehen in den oberen Etagen großzügige Loftwohnungen. In den Dach- und Giebelbereichen wird die vormals streng wirkende Kubatur mittels Stahlbeton und Glas aufgelockert. Im Erdgeschoss haben sich neben der Gastwirtschaft Büros und Geschäfte angesiedelt. Mit diesem Gebäudekomplex ist es dem Architekten eindrucksvoll gelungen, historische Industriekultur mit ihrem eigenwillig robusten Charme mit Modernem und zugleich Zeitlosem zu vereinen.

Restaurant Janssen

Bus-Linie 21, 32, Hohe Brücke

09111 Chemnitz
Schloßstraße 12

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