Industriemuseum Chemnitz

Industriemuseum Chemnitz

Das Industriemuseum Chemnitz gehört dem Sächsischen Industriemuseum an und befindet sich mit seiner Ausstellung in einer ehemaligen Werkhalle des Maschinenbaus. Das Museum bietet eine umfangreiche Sammlung aus der sächsischen Industriegeschichte in Chemnitz u.a. aus den Bereichen des Maschinenbaus, des Flugzeugbaus, des Bahnwesens und der Textilindustrie. Die Exponate der Dauerausstellung sollen die technische Entwicklung sowie Zusammenhänge mit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Sachsens vermitteln. Das zeitliche Spektrum geht vom Ende des 18. Jahrhunderts, dem Beginn der Industrialisierung in Sachsen, aus und endet in der Gegenwart. Ein besonderes Highlight stellt eine funktionstüchtige Dampfmaschine der Firma Germania aus dem Jahr 1896 dar.

Eine langgestreckte rotbraune Fassade mit vier großen, regelmäßigen Rundbogengiebeln. Imposant, unverkennbar. Das Markenzeichen des Chemnitzer Industriemuseums.

Wer auf der Zwickauer Straße unterwegs ist, erkennt es bereits von Weitem. Der Gebäudekomplex der ehemaligen Gießerei H&A Escher an der Kappler Drehe ist eines von zahlreichen Beispielen, die zeigen, dass Industriearchitektur vielgestaltig, ästhetisch, anspruchsvoll und mit individueller Klasse realisiert wurde.

Mit der Tradition der Industriekultur in Chemnitz hat sich Professor Karl-Klaus Dietel intensiv beschäftigt. Der Chemnitzer ist einer der einflussreichsten deutschen Formgestalter der Zeit ab 1960. Seine Handschrift findet sich in vielen Industrieprodukten. Er entwickelte zum Beispiel das Aussehen für die Simson Mokick, für Motorräder der Kultmarke MZ aus Zschopau. Er arbeitete für nie gefertigte Trabantnachfolger und Wartburg und gab der Erika-Schreibmaschine ein Gesicht.

Klaus Dietl blickt zurück: „Hier in Chemnitz begann die deutsche Industrialisierung, Ende des 18. Jahrhunderts, fußend auf den jahrhundertelangen Erfahrungen durch Bleichtechniken, Textiltechniken, wurden dann Anfang des 19. Jahrhunderts – enorm beschleunigt durch die Entdeckung der Steinkohle zwischen Zwickau und Oelsnitz/Lugau. Damit war die bis dahin energetische Nutzung der Wasserkraft ersetzt durch die aus England kommenden Dampfmaschinen. Und diese fossilen Rohstoffe waren die Grundlage für eine dann explosive Entwicklung der Chemnitzer Industrie. Die ursprünglich aus England importierten Textilmaschinen musste man reparieren. Dann baute man sie nach, verbesserte sie, baute eigene Maschinen. Aus diesem Bau der Textilmaschinen entstanden Industriezweige für die Fertigung von Maschinen, die dafür nötig waren, Werkzeugmaschinen. Das wurden dann innerhalb von Jahrzehnten die führenden Werkzeugmaschinen, Fabriken der Welt, Reiniger, Zimmermann und andere. Parallel dazu entstand ab den 40er Jahren einer der größten Lokomotivbaustandorte Deutschlands mit den Hartmannbergen. Viele Erfindungen, Entdeckungen, Weiterentwicklungen sind hier im Umkreis von Chemnitz entstanden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das immer differenzierter. Es wurden Fahrräder gebaut, wurde das immer differenzierter. Es wurden Fahrräder gebaut, Rechenmaschinen, die ersten Motorfahrzeuge, Automobile, Zweiräder. Aus Bündlungen von vier großen Werken, Audi, DKW, Horch und Wander, entstand 1932 der größte deutsche Fahrzeugkonzern mit der Auto-Union. In Summe war das eine weithin vernetzte und strukturierte Industrielandschaft, die mit zum Besten Deutschlands zählte.“

Im Chemnitz des 19. Jahrhunderts konzentrierten sich etliche industrielle Ansiedlungen entlang der heutigen Zwickauer Straße. Allein zehn Gießereien waren zwischen dem zentrumsnahen Falkeplatz und der Lützowstraße ansässig. Auf dem Gelände des heutigen Industriemuseums befanden sich zwei Gießereien, Hugo Schreiter und Moritz Rockstroh. Die Rockstroh-Gießerei wurde von Hermann Escher übernommen, der unter anderem Dampfmaschinen produzierte. Die Firma Escher florierte und so wurde schon bald die vierschiffige Gießerei und Montagehalle mit den charakteristischen Rundbogengiebeln errichtet. Mit ca. 3200 Quadratmetern Grundfläche die größte Industriehalle in Chemnitz und Umgebung.

Die Weltwirtschaftskrise brachte viele Firmen in wirtschaftliche Schieflage. 1930 stellten auch Schubert und Salzer sowie die Escher AG ihre Produktion ein. 1942 erwarb dann die Auto-Union, damals zweitgrößter deutscher Automobilproduzent, das Firmengelände. Allerdings diente der Standort nicht dem Bau von Kraftfahrzeugen. Die Auto-Union errichtete dort vielmehr eine moderne Gießerei zur Fertigung von Gehäusen für Panzermotoren. Im Zweiten Weltkrieg wurden die historischen Gebäude zwar beschädigt, erlitten aber wie durch ein Wunder keinen Totalschaden. Nach dem schrittweisen Wiederaufbau wurde die alte Gießerei Teil des VEB-Gießerei Rudolf Harlers. 1982 hatte sie dann endgültig ausgedient. Das ehemalige Gießereigelände stand von da ab leer und verfiel zusehends. Der geplanten Sprengung kam die Wende dazwischen.

Die Gebäude blieben stehen, aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis aus den alten Produktionshallen das Chemnitzer Industriemuseum wurde. Darin ein Museum einzurichten, das diese Geschichte darstellt, war eine gute, glückliche Idee. Zwischen 1999 und 2002 fanden umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen statt. Das Augenmerk richtete sich dabei auch auf das völlig heruntergekommene Maschinenhaus. Schubert und Salzer hatten den Dampfmaschinensaal um 1907 mit Wandgemälden, Terrazzo-Fliesen und einer Holzdecke aufwendig ausgestattet. Es sollte nicht bei der Restaurierung dieses repräsentativen Raumes bleiben. Eine Dampfmaschine musste her. Ein historisches Original natürlich. Gar nicht so einfach, aber die Suche nach dem geeigneten Stück hat sich gelohnt. Eine üppig dimensionierte Dampfmaschine der Firma Germania aus dem Jahr 1896 wurde ausfindig gemacht und vollständig restauriert. Heute ist die eindrucksvolle Dampfmaschine voll funktionstüchtig. Und die Hauptattraktion des Museums. Die große Werkhalle an der Zwickauer Straße beherbergt eine umfassende Ausstellung zur Industriegeschichte Sachsens von ihren Anfängen bis heute. Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Ausstellungskonzept. Große und vor allem kleine Besucher dürfen dabei nicht nur gucken, sondern durchaus auch vieles anfassen. Selber herausfinden macht schlau.

Gastro im Industriemuseum

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