Strumpffabrik Moritz Samuel Esche

Strumpffabrik Moritz Samuel Esche

Die Firma Moritz Samuel Esche gilt als die älteste Firma in Chemnitz. Anfangs war das Unternehmen in Limbach beheimatet, zog aber 1870 nach Chemnitz in eine neue Fabrik. Nach mehreren Erweiterungen entstand 1886 der heutige Bau. Hier arbeiteten 1900 circa 500 und 1911 circa 700 Angestellte, die feine Wirkwaren für den deutschen Markt, aber auch für die ganze Welt herstellten. Heute beinhaltet das Gebäude an der Goethestraße das Sozialamt, mehrere kleine Firmen und ein Ärztehaus.

Dem Vorfahren von Moritz Samuel Esche, Johann Esche, gelang um 1700 als Ersten in Sachsen der Nachbau eines Handwirkstuhls in Limbach, einem kleinen Ort in der Nähe von Chemnitz. Am Anfang ist das Limbacher Unternehmen Esche ein Einmannbetrieb, doch mit den Aufträgen wächst auch die Mitarbeiterzahl. Der Inhaber zeichnet sich durch sein soziales Engagement aus, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich ist. Das Unternehmen expandiert und unterhält Handelsbeziehungen weit über die sächsischen Landesgrenzen hinaus. Von Generation zu Generation wird es in der Familie erfolgreich weitergeführt.

Im Jahre 1834 übernehmen schließlich zwei Brüder die Geschäfte von ihrem Vater, Traugott Reinhold und Moritz Samuel Esche. Die Doppelspitze steht unter keinem guten Stern. Schließlich führt Moritz Samuel Esche allein die Geschäfte weiter. Unter seiner Führung laufen sie gut, der Export floriert, selbst bis in die Vereinigten Staaten. Bereits sieben Jahre später übergibt Moritz Samuel Esche die Geschicke der Firma in die Hände seiner beiden Söhne Julius und Theodor. Sein Name bleibt von nun an als Firmenname bestehen. Julius Esche stirbt früh, sein Bruder Theodor ist nun alleiniger Inhaber des Unternehmens.

Die Eisenbahn ist schuld daran, dass im Jahre 1870 das Traditionsunternehmen Moritz Samuel Esche aus Limbach nach Chemnitz zieht, unter Führung von Theodor Esche. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, wollen sie doch im Zeitalter der Industrialisierung Schritt halten. Limbach liegt nicht an den Schienen. Theodor Esche siedelt die Firma in Chemnitz auf einem Gelände an der heutigen Goethestraße an. Das Unternehmen investiert in modernste Maschinen und Webstühle aus Frankreich und England. Im Jahre 1873 stirbt Theodor Esche. Sein Sohn Eugen führt nun zusammen mit Georg wieder als Teilhaber die Geschäfte.

Bald schon wird es in den Produktionsstätten zu eng. Planungen für ein neues Firmengebäude werden angeschoben. Die Umsetzung lässt nicht lange auf sich warten. 1886 wird der auffällige viergeschossige Bau mit roter Klinkerfassade durchwirkt von gelben Steinen eingeweiht. Eine Besonderheit ist der mittig aufgesetzte Turm an der Nordfassade. Da die Geschäfte gut laufen, werden auf dem Grundstück ständig Erweiterungsgebäude errichtet. Um 1900 arbeiten ca. 500 Beschäftigte in den Fabrikhallen. Elf Jahre später sind es bereits 700. Dazu kommen noch tausende Heimarbeiter, wie das in der Zeit allgemein verbreitet ist. In den Fabriken werden vor allem Socken, Strümpfe und Unterwäsche produziert und aus Chemnitz in alle Welt versandt. Die Produktionslinien sind immer auf dem neuesten technischen Stand. Der sozialen Unternehmertradition der Familie folgend wird nach Eugen Esches Tod 1902 eine Stiftung gegründet. Aus deren Fonds werden Häuser auf einem städtischen Grundstück am Rande des Zeisigwalds gebaut. In die neuen Wohnungen an der Forststraße ziehen verdiente Arbeiter und Angestellte. Mit den anfallenden Zinsen werden Alterspensionen für ausgeschiedene Mitarbeiter ausbezahlt. Dies ist in diesen Zeiten wirklich außergewöhnlich.

Zur Zeit nach 1900 waren die Brüder Fritz und Herbert Esche die Eigentümer der großen Strumpfwirkerei Esche an der Goethestraße in Chemnitz. Neben vielen sozialen Stiftungen und Zwecken, die bedient worden, hatten beide Brüder sich auch tolle Villen gebaut. Fritz, der Ältere, besaß schon eine Villa am Kapellenberg, während Herbert Esche sich von seinem befreundeten Architekten und Designer Henry van der Velde eine tolle Villa nach damals modernsten Gesichtspunkten auf dem Kapellenberg oben an der Stollberger Straße, Ecke Parkstraße, errichten ließ. Die Villa ist heute toll restauriert zu besichtigen und wird museal genutzt ist. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Der Betrieb kann die Folgen des Ersten Weltkrieges recht schnell überwinden. So wird 1922 ein neuer Erweiterungsbau errichtet. 1945, nach dem Krieg, werden die Anlagen nach schweren Bombentreffern vorerst wieder notdürftig repariert. 1953 wird die Familie Esche enteignet. In jenem Jahr verlässt Herbert Esche die Stadt und das Land. Andere Nutzer beziehen die Gebäude, so eine Elektromaschinenfirma. Nach 1991 erwirbt die an der Goethestraße ansässige Orthopädie-Technikfirma Reha-Aktiv das Grundstück mit den sanierungsbedürftigen Fabrikgebäuden von Esches Erben und beginnt die etappenweise Sanierung und Umnutzung. Bis heute beherbergen die Gebäude unter anderem ein Ärztehaus, eine Apotheke, das Sozialamt und das Unternehmen Reha-Aktiv.

Tram-Linie 1, Marianne-Brandt-Straße

09119 Chemnitz
Am Walkgraben 31

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